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Erinnern: Detmold und Warschauer Ghetto

Bewegende Momente für 20 Jugendliche aus Detmold und Lemgo

Detmold. „Das ehemalige jüdische Wohnviertel Warschau besteht nicht mehr.“ Diesen Satz schrieb der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Jürgen Stroop am 16. Mai 1943 in einem Fernschreiben an seine Vorgesetzten. In seinem Bericht hat er sein brutales Vorgehen gegen die jüdische Bevölkerung genau dokumentiert. Über 60.000 Menschen wurden ermordet. Wer war dieser Jürgen Stroop, der in Detmold geboren wurde und aufwuchs?

Mit dieser Frage setzten sich 20 Schülerinnen und Schüler vom Detmolder Grabbe-Gymnasium, vom Stadtgymnasium Detmold und dem Lemgoer Marianne-Weber-Gymnasium im Rahmen einer Gedenkreise nach Warschau auseinander. „Er war einer von uns und doch keiner von uns“, so formuliert es Sophie Gurcke (Stadtgymnasium)  in ihrer Rede an der Gedenktafel am Platz des ehemaligen evangelischen Krankenhauses am Rande des Warschauer Ghettos. „Jürgen Stroop war Bürger unserer Stadt, ging in eine unserer Schulen. Er kaufte in den Läden ein, in denen auch wir einkaufen. Viele unserer Wege waren die gleichen - doch war sein Lebensweg ein ganz anderer. Er war einer von uns - wie konnte er einer von ‚denen‘ werden?“ Bei der Spurensuche standen unter anderem die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen aus Anlass des 75-jährigen Jahrestages des Beginns des Ghetto-Aufstandes, ein Rundgang über das Gelände des Ghettos, ein Besuch einer jüdischen Synagoge und der Besuch des Polin-Museums auf dem Programm der fünftägigen Reise.

In täglichen Aufzeichnungen schrieben die Jugendlichen ihre Eindrücke und Erfahrungen nieder. Sie zeigten sich beeindruckt von der Offenheit der Stadt Warschau, der Gastfreundlichkeit der Menschen und dem Zusammenspiel von moderner Architektur und wiederaufgebauter Altstadt. Dieser Eindruck wurde bestärkt durch den Empfang der Warschauer Stadtpräsidentin, die mit ihren Ausführungen zur Geschichte und aktuellen Lage in Warschau und Polen überzeugen konnte. Die Orte der unfassbaren Taten und des unermesslichen Leids von 60.0000 Menschen persönlich zu erfahren, hinterließ bei allen sehr emotionale Momente. Zu den besonderen Höhepunkten zählte die persönliche Gestaltung einer Gedenkstunde und Kranzniederlegung durch die Schülerinnen und Schüler, in der sie an die Detmolder Opfer des Warschauer Ghettos erinnerten und die eigene Verantwortung der Geschichte für die Zukunft anmahnten. Dazu Sophie Gurcke abschließend:

„Wir müssen den Mund aufmachen gegen Unrecht, Ungerechtigkeit, Unfairness und gegen falsche Einflüsse und Modeerscheinungen. Auch heute müssen wir wieder erkennen, dass die Menschheit nicht wirklich dazulernt und sich gegen rechts- oder auch linksextreme Bewegungen nicht besonders wehrt. Extreme Liedstrophen werden hingenommen, menschenverachtende Äußerungen werden ignoriert. Es liegt an uns, den Mund aufzumachen gegen derartige Strömungen.“ Mehr Informationen und Impressionen der Warschaureise stehen unter www.detmold.de

 

Pressemitteilung der Stadt Detmold

Detmold und das Warschauer Ghetto

Erinnern und Gedenken: Emotionale Momente und Begegnungen

Detmold. Was hat Detmold mit dem Warschauer Ghetto zu tun? Diese Frage stand am Anfang einer fünftägigen Gedenkreise, die die Lippische Landeskirche und die Stadt Detmold gemeinsam mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. aus Anlass des 75. Jahrestages der Niederschlagung des Warschauer Ghetto-Aufstandes initiierte. Die Spurensuche in Warschau führte an die Orte der Opfer und ihrer heutigen Denkmäler und Erinnerungsorte. Der Fokus richtete sich auch immer wieder auf den Täter  Jürgen Stroop aus Detmold, einem der furchtbarsten Massenmörder der NS-Zeit,der in Polen als Synonym für Ermordung von 70.000 Menschen steht und damit verbunden mit der unvorstellbaren Unmenschlichkeit des deutschen Naziregimes.  

Neben den offiziellen Vertretern der Stadt Detmold, der Lippischen Landeskirche und des Kreises Lippe,  waren Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe e.V. und 20 Schülerinnen und Schüler des Stadtgymnasiums, des Grabbe-Gymnasiums und des Marianne Weber-Gymnasiums (Lemgo) Teil der Reisegruppe. Zu den Gastgebern in Warschau zählte insbesondere die ev. reformierte Partnergemeinde der Lippischen Landeskirche, die sich im Vorfeld an der Programmplanung beteiligte und die Delegation vor Ort betreute. 

Zum Programm der Detmolder Besucher gehörte unter anderem ein Rundgang durch das Gebiet des ehemaligen Warschauer Ghettos, der Besuch des jüdischen Museums „Polin“ und einer Synagoge. Im Mittelpunkt des Besuches standen Gedenkveranstaltungen mit einem Gottesdienst (Predigt von Landessuperintendent  Dietmar Ahrens) und einem Konzert von Prof. Matitjahu Kellig aus Detmold in der evangelisch-reformierten Kirche. Besonders eindrucksvoll war die Teilnahme an einem offiziellen Gedenkgang im ehemaligen Warschauer Ghetto und der Kranzniederlegung an der Gedenktafel am Platz des ehemaligen evangelischen Krankenhauses. Die Gedenktafel war vor 25 Jahren von der Stadt Detmold, dem Kreis Lippe und der Lippischen Landeskirche initiiert worden und erinnert daran, dass durch couragiertes Handeln der dort Beschäftigten Juden aus dem Ghetto das Leben gerettet werden konnte. Die mitgereisten Jugendlichen sorgten an diesem Ort mit ihren Texten und Wortbeiträgen für bewegende Momente bei allen Anwesenden. Bürgermeister Rainer Heller betonte in seiner Rede die besondere Verantwortung der Stadt Detmold für die Erinnerung an das Warschauer Ghetto: „Wir wollen heute an diesem historischen Ort ein Zeichen setzen, dass in Detmold diese Taten nicht in Vergessenheit geraten sind.“ Dieter Bökemeier, Pfarrer für Ökumene, Mission, Flucht und Migration in der Lippischen Landeskirche bezog sich in seinem Grußwort auf den neu aufkeimenden Rechtspopulismus und die wichtige Aufgabe der Erinnerungsarbeit: „Uns ist wichtig, dass wir uns das unvorstellbare Verbrechen der Deutschen in Warschau immer wieder vor Augen halten, gerade in Zeiten, in denen Intoleranz und Antisemitismus in unseren Gesellschaften wieder zunimmt.“

Der Dank galt abschließend allen Beteiligten vor Ort in Warschau für ihre Unterstützung der Detmolder Reisegruppe, insbesondere der Stadtpräsidentin für ihren Empfang und ihre Wertschätzung und den Verantwortlichen der evangelisch-reformierten Partnergemeinde der Lippischen Landeskirche. Die Delegation war sich einig in ihrem Fazit, die Kontakte nach Warschau weiter zu pflegen und die Erinnerungsarbeit gemeinsam fortzusetzen. Mehr Informationen und Impressionen der Reise stehen in Kürze auch unter www.detmold.de

 

Pressemitteilung der Stadt Detmold