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Ein halbes Jahr in Frankreich? Une chance pour la vie!

6 Monate Leben und Lernen in Frankreich

Marlena war mit dem Voltaire-Programm ein halbes Jahr in Frankreich. Sie berichtet über ihre Erfahrungen.

Warum wolltest du nach Frankreich gehen?

Im Grunde genommen habe ich mich schon immer irgendwie für das Land, für die französische Kultur und primär für die Sprache sehr interessiert. Außerdem stand schnell für mich fest, dass ich auf jeden Fall ein Auslandsjahr machen wollte. Da wir nicht die finanziellen Möglichkeiten für die USA oder Australien hatten, wo es mich aber grundlegend sowieso nicht so hingezogen hat wie nach Frankreich, haben wir uns eben für das „Voltaire“-Programm entschieden.

Wie hat es dir dort gefallen? Wie hast du dich eingelebt?

Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen. Natürlich war erst mal alles neu; ich wurde mit ganz neuen und unbekannten Situationen konfrontiert. Mein Alltag hat sich komplett verändert. Ich musste mich an die französische Lebensweise, sprich die Menschen, die Mahlzeiten, neue Regeln etc. gewöhnen. Zunächst war das auch gar nicht so einfach, da eben vieles anders lief als in Deutschland. Das Schulsystem beispielsweise ist dort ganz anders. Meistens hat man morgens und nachmittags bis teilweise 18 Uhr Unterricht und ist dann erst um 19 Uhr zuhause. Bei mir war dieser Extremfall nur einmal in der Woche so. Aber auch das ist seltsam, wenn man den ganzen Tag in der Schule mit den Mitschülern sitzt und dann nach Hause kommt, isst, noch etwas fernsieht oder sich mit seiner Gastfamilie unterhält und dann schon wieder schlafen geht. Aber ich habe mich an alles eigentlich recht schnell gewöhnt und im Nachhinein war der Alltag gefühlt Rutine wie in Deutschland auch.

Alles in allem hat es mir aber super gefallen. Ich bin ein Stück weiter im Leben gekommen und auf jeden Fall an dieser wertvollen Erfahrung gereift. Man lernt eben, auch mit anderen Menschen tagtäglich umzugehen und sich auf deren Regeln und Lebensweisen einzustellen.

Wie bist du mit der Sprache zurechtgekommen?

Am Anfang ist es mir doch recht schwer gefallen. Obwohl ich ja vier Jahre Französisch hinter mir hatte und auch immer sehr gute Noten im Fach geschrieben habe, ist das dann doch etwas anderes, wenn man erst mal in dem Land von lauter Muttersprachlern umgeben wird. Ich hatte mich allerdings von Anfang an dazu entschlossen, direkt mit Französisch anzufangen und erst gar nicht mit Englisch versuchen, mich „durchzuschlagen“. Das war auch eine sehr gute Entscheidung, denn die Franzosen sind ein wenig „eigen“. Wenn sie merken, dass man sich selbst bemüht, selbst wenn das Französisch noch nicht perfekt ist, dann fühlen sie sich geschmeichelt und bewundern einen, sodass sie notfalls sogar noch aufs Englische zurückgreifen, wenn man sich gar nicht verständigen kann. Aber das war bei mir eigentlich nicht der Fall, ich habe eben von Anfang an Französisch gesprochen, was sich dann von Tag zu Tag verbessert hat. Am Anfang waren es vor allem neue Vokabeln, die ich gelernt habe. Vokabeln, die man tagtäglich dort benutzt und viel Umgangssprache. Später kamen dann die Feinheiten dazu, sprich der Satzbau allgemein hat sich verbessert und auch die Aussprache. Irgendwann kam auch der Zeitpunkt, wo ich mir selber immer mehr zugetraut habe und keine Hemmungen mehr hatte, vor anderen länger irgendetwas zu erzählen. Das heißt, dass ich dann keine Angst mehr hatte, irgendwelche Fehler zu machen, die sich anfangs natürlich immer wieder eingeschlichen haben. Irgendwann habe ich angefangen, einfach loszureden, „ohne Rücksicht auf Verluste“. Mit der Zeit habe ich immer besser gesprochen und immer weniger Fehler gemacht.

Wie bist du aufgenommen worden?

Als ich in Frankreich ankam, war ich natürlich ziemlich aufgeregt. Der große Vorteil, den ich hatte, war natürlich, dass ich die Familie schon kannte. Die Eltern hatten meine Austauschschülerin nach Deutschland gebracht und auch wieder abgeholt, sodass wir ein paar nette Tage zusammen verbringen konnten. Deshalb bin ich mit einem guten Gefühl in die Familie gegangen, weil ich wusste, dass sie sich bemühen würden und sehr sympathisch sind. Ich hatte mich nicht getäuscht, denn ich wurde direkt mit einem Schild mit der Aufschrift „Bienvenue, Marlena!“ begrüßt.

Am ersten Schultag war ich sehr nervös, weil ich ja nicht wusste, wie die französischen Schülerinnen und Schüler auf mich reagieren würden. Da ich recht offen und locker mit Menschen umgehe, bin ich einfach direkt auf Leute aus meiner Klasse zugegangen und habe die angesprochen und ihnen erklärt, wer ich bin, woher ich komme und was ich dort mache. Zu meiner großen Freude waren viele schon direkt sehr neugierig und haben mir viele Fragen auf einmal gestellt. Ich habe auch direkt Sitzpartner gefunden, die mir in der ersten Zeit geholfen haben, mich in dem Lycée, das doch deutlich größer ist als das Stadtgymnasium, zurechtzufinden. Nach und nach ergaben sich dann auch einige Treffen an Wochenenden und ich habe sogar eine richtig gute Freundin dort gehabt, mit der ich regelmäßig was unternommen habe und den Kontakt bis heute pflege.

Was hat dir am meisten Schwierigkeiten gemacht?

Am allermeisten hatte ich Schwierigkeiten mit dem Schulsystem. Es ist doch eine ganz schöne Umstellung, wenn man in Deutschland bis 13 Uhr in der Schule sitzt und danach einen freien Nachmittag genießen kann. In Frankreich ist das ganz anders, denn da sitzt man hauptsächlich in der Schule, schlimmstenfalls sogar bis 18 Uhr, von 8 Uhr morgens. Das war manchmal schon recht anstrengend für mich und trotzdem musste ich das so hinnehmen. Ich habe mir immer gesagt, dass die Franzosen das ja auch irgendwie aushalten müssen.

Die Mahlzeiten waren auch erst gewöhnungsbedürftig. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Franzosen tonnenweise Nahrung aufnehmen. Aber für die ist das eben normal. Irgendwann habe ich mir das Essen richtig aufgeteilt und dann war das auch kein Problem mehr.

Was hat dir am besten gefallen / war am wichtigsten für dich?

Am besten gefallen dort hat mir meine Gastfamilie und meine beste Freundin. Die Zeit, die ich mit meiner Familie dort verbracht hab, ist und bleibt einfach unvergesslich und ein tolles Erlebnis. Mittlerweile ist sie sowas wie meine zweite Familie geworden.

Auch mit meiner besten Freundin, die ich dort hatte, habe ich viel Schönes erlebt und ich bin froh, dass ich sie dort kennengelernt hab. Denn sonst hätte ich ja nie erfahren, dass meine zweite bessere Hälfte eine Französin ist. Das hat mir auch gezeigt, dass selbst die Sprachbarrieren und mittlerweile natürlich auch die Entfernung keine wahre Freundschaft zerstören kann.

Was hat dir die Zeit gebracht? Würdest du es nochmal tun?

Die Zeit an sich hat mir natürlich sehr viel gebracht. Und zwar in dem Sinne, dass ich viel über mich selbst gelernt habe und durch die vielen unbekannten Situationen und Erlebnisse bin ich um einiges gewachsen und reifer geworden. Dadurch, dass man sich eben anpassen muss und so viel Neues erlebt, wird man ein Stück weit erwachsener und erfahrener. Das war einfach eine tolle Zeit, die mir niemand mehr nehmen kann. Von daher würde ich das auf jeden Fall wieder tun.

Welchen Rat würdest du einem Schüler geben, der nicht weiß, ob und wo er einen Austausch machen soll?

 

Natürlich, dass er nach Frankreich fahren soll ;-) Man muss ja ein bisschen Werbung machen.

Nein, also im Grunde genommen kann ich ihm nur von meinen Erlebnissen erzählen und ihm näherbringen, dass es auch einem selbst viel Selbstvertrauen etc. gibt. Aber er muss ja seine Entscheidung selbst treffen, das kann ihm niemand nehmen. Deswegen würde ich nicht versuchen, ihn zu überreden, sondern ihm einfach von meinen Erfahrungen erzählen und versuchen, ihm Mut zu machen.

Welchen Tipp würdest du einem Schüler für seinen Auslandsaufenthalt geben?

Ich würde ihm auf jeden Fall den Tipp geben, sich vorher nicht verrückt zu machen und nicht mit einer zu großen Erwartungshaltung ins Ausland fahren. Stattdessen sollte man einfach ganz locker darauf zugehen, offen sein für Neues und versuchen, auf die Leute zuzugehen. Man sollte sich auf keinen Fall versperren. Und wenn man Heimweh hat, auf jeden Fall mit der Gastfamilie darüber reden und sich ablenken lassen. In den meisten Fällen ist dann alles halb so wild.

Ansonsten würde ich ihm natürlich viel Spaß wünschen und ihn für seinen Mut loben :-)